Die Beiträge zu einer Pflegeversicherung steigen bei Männern im kommenden Jahr um bis zu 40 Prozent an. Dann zahlen Männer und Frauen eines  Jahrgangs den gleichen Beitrag. Mit diesem Kostenangleich wird deutlich, dass das Hauptrisiko der Pflege bei Frauen liegt. Denn die Wahrscheinlichkeit, sehr alt zu werden und in der letzten Lebensphase auf die Hilfe fremder Personen angewiesen zu sein, ist bei Frauen deutlich höher.

Empfehlung der Verbraucherschützer

Wer eine Pflegeversicherung braucht, sollte jetzt abschließen, so Verbraucherschützer zum Thema Umstellung auf Uni-Sex-Tarife der Versicherungsbranche. Dies gilt für Männer, weil hier die Beiträge extrem steigen.

Offen bleibt, wie der Verbraucher einschätzen kann, wie hoch sein persönliches Pflegerisiko ist bzw. ob die Zeit der Pflege ein finanzielles Risiko für ihn und seine Angehörigen darstellt. Verallgemeinerungen nutzen hier nichts, Aussagen der Berater aus der Finanzbranche gelten selten als „neutral“, sondern eher als erfolgs-, sprich abschlussorientiert. Der Kunde braucht eine nachvollziehbare Methode, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Pflegeversicherung: ja oder nein?

  • Durchschnittliche Pflegezeit 5 Jahre
  • Jeder Vierte wird zum Pflegefall
  • Davon betrifft es zu 80 Prozent Frauen
  • Mehr als 50 Prozent  der Pflegebedürftigen erhalten Leistungen nach der Pflegestufe 1
  • Die Renten bzw. Witwenrenten sind im Durchschnitt bescheiden
  • Oft leben Frauen im Alter alleine/Mehrgenerationenhäuser bilden die Ausnahme
  • Bei der Kalkulation des Pflegerisikos ist eine doppelte Haushaltsführung für den Fall zu berücksichtigen,  dass ein Partner im Heim und der andere Zuhause ist
  • Geht das Sozialamt für die Pflegekosten in Vorlage, werden anschließend die Kinder (u.U. auch Schwiegerkinder) gemeinsam zur Kasse gebeten

Einschätzung des persönlichen Risikos

Bei dem Pflegerisiko spielen nicht nur die finanzielle Basis, sondern soziale und wohnwirtschaftliche Fakten sowie persönliche Vorlieben eine Rolle. Gleichzeitig kann es um eine würdevolle Lebensgestaltung und den Erhalt des Lebenswerkes gehen. Kinder werden im Bedarfsfall zur Zahlung der Pflegekosten herangezogen.

Dieses Risiko ist unterschätzt. Hier wird Demographie sehr persönlich.

Geringes Risiko:

  •  Lfd. Einnahmen sind so hoch, dass diese alleine auch die Pflegekosten tragen können (Renten, Mieteinnahmen, Zinserträge mindestens 3.000 EURO monatlich)
  • Das eigene Haus ist für eine osteuropäische Pflegekraft groß genug und behindertengerecht eingerichtet
  • Familienangehörige können realistischerweise dauerhaft pflegen

Hohes Risiko:

  • Wenn obige Fakten nicht gegeben sind
  • Allgemein bei Frauen
  • In Situationen der außerhäuslichen Pflege
  • Bei Pflegestufe „0“ (wenn Demenz/Alzheimer in der Familie auftritt)

Finanzielle Belastung der Alterspflege

Früher haben Frauen erst Kinder erzogen und dann Eltern bzw. Schwiegereltern gepflegt. Es galt, dass man in der letzten Lebensphase weniger Geld benötigt und dass die Pflege innerhalb der Familie geleistet wird. Bis zu einem gewissen Grad wird dies auch heute noch von der Familie geschultert. Doch wenn ein Partner bereits verstorben ist, wird es schon schwieriger. Außerdem ist die Pflegezeit durch die moderne Medizin wesentlich länger als früher.

Vor dem Landesgericht reichte ein älterer Herr Klage ein: Seine private Pflegeversicherung sollte für die Fixkosten und zum Unterhalt seiner Ehefrau dienen, während er im Pflegeheim ist. Das Gericht lehnt ab. Die private Pflegerente zusammen mit der gesetzlichen Pflegerente und allen Altersrenten wurden zur Zahlung des Heimaufenthaltes herangezogen.

Fazit:

Die Zeit der Pflege stellt so manche Familie auf die Zerreissprobe. Zu der emotional schwierigen Zeit kommen noch finanzielle Sorgen. Im obigen Fall hat der Kläger zwar eine Pflegeversicherung abgeschlossen, doch nicht daran gedacht, dass im Ernstfall er im Pflegeheim ist und seine Frau nach wie vor im gemeinsamen Haus wohnen will. Fixkosten bleiben. Die durchschnittliche Rente von Frauen liegt aktuell bei gerade 500 EURO. Nebenkosten fürs Wohnen müssen weitergezahlt werden. Fürs Auto fallen auch weiterhin Versicherung, Steuer, Benzin und Werkstattkosten usw. an.

Männer und Frauen sollten überprüfen, ob die private Absicherung für den Pflegefall mehr Qualität  schafft: Wer sich damit auseinander setzt, weiß, dass für den Ernstfall vorgesorgt ist, dass das Lebenswerk erhalten bleibt und die Nächsten nicht finanziell belastet werden. Anderseits kann anschließend das Vermögen wieder zielgerichtet angelegt oder verwendet werden.

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