Organspender per Zufall?

In keinem unserer Nachbarländer gibt es so wenige Organspenden als in Deutschland. Bereits vor einigen Jahren hat die Regierung versucht, mit einer Kampagne für Organsende zu werben. Leider erfolglos. Mit Jens Spahn als Gesundheitsminister diskutiert nun ganz Deutschland. Die Regierung will die Zahl der Spender nachhaltig erhöhen.

Automatisch: Organspender oder kein Organspender

Bisher gilt: Um Organe zu spenden, muss das jeder aktiv erklären. Wer nichts unternimmt, ist kein Organspender.
Das gilt für Deutschland. Und nur für Deutschland. Sobald wir als Urlauber oder Geschäftsreisende die Grenze zu unseren europäischen Nachbarn überqueren, gilt deren Recht. Damit sind wir automatisch Organspender. Wer sich nicht informiert, überlässt die eigene Organspende seither dem Zufall.

Vorschlag des Bundesgesundheitsministers

Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Abgeordneten favorisiert eine doppelte Widerspruchslösung

  1. Grundsätzlich gilt jeder Bürger als Organ- und Gewebespender. Wer das nicht möchte, erklärt seinen Widerspruch.
  2. Der verantwortliche Arzt muss die nächsten Angehörigen des möglichen Spenders befragen, ob ein schriftlicher Widerspruch oder ein der Organentnahme entgegenstehender Wille bekannt ist.
  3. Zusätzlich soll es ein neues Register geben, indem die Bürgen ihre Erklärung eintragen lassen können. Der verantwortliche Arzt hat Einblick ist dieses Register.
  4. Hausärzte sollen zur Organspende explizit geschult werden. Es ist vorgesehen, dass sie ihre Patienten aktiv beraten.
  5. Unzulässig ist Organspende bei Personen, die Wesen, Bedeutung und Tragweite nicht erkennen können

Unterricht in Schulen

Es scheint gerade für uns Deutsche sehr schwer zu sein, sich mit Organspende auseinander zu setzen. Zu gerne wird das Thema verdrängt. Bei der aktuellen Gesetzgebung ist man zuhause in Deutschland kein Organspender.
Für Eltern ist es zudem sehr schwierig, mit ihren Kindern darüber zu sprechen. „Da eine Entscheidung gegen die Organspende mit der Vollendung des 14. Lebensjahres und die Entscheidung für die Organspende im Alter von 16 Jahren getroffen werden kann, ist es sinnvoll, bereits in der Schule mit der Aufklärungsarbeit zu beginnen”, so die Rheinische Post.

Wir brauchen Transparenz

Manche führen die Zurückhaltung bei der Organspende auf unsere deutsche Vergangenheit zurück. Andere glauben, dass die Zurückhaltung darauf basiert, dass die gesamte Umsetzung und die Kontrolle der Transplantation auf nichtstaatlichen Organisationen beruhe.  
Die Regierung hört einen Expertenausschuss dazu am 25. September 2019, sodass bis Ende des Jahres eine Entscheidung gefällt sein wird.

Fazit

Mit der geplanten Änderung muss sich jeder auseinandersetzen und aktiv entscheiden, wenn er seine Organe oder bestimmte Organe nicht spenden möchte. Dazu ist eine Aufklärung in der Bevökerung wichtig und die Möglichkeit, Rat bei seinem Hausarzt zu suchen.
In einigen Teilen ist die Vorgehensweise bei Organspende der Patientenverfügung angelehnt:

  • Zielgruppe sind einwilligungsfähige Erwachsene. Das können auch Geschäftsunfähige sein.
  • Vor der Umsetzung der Organspende erfolgt die Befragung der nächsten Angehörigen.

In den anderen europäischen Ländern gibt es viele Organspender, weil es die Entscheidung die Passivität der Bevölkerung unterstützt. Wenn die Regierung mehr Organspender nachhaltig werben möchte, wird dieser Weg erfolgreich sein. Außerdem schafft Diskussion mehr Klarheit: Wer sich aktuell damit nicht befassts, ist in Deutschland kein Organspender und bei Auslandsaufenthalt Organspender.

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